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Die Seulberger Kirche
und ihre Glocken Die bekannteste war das Institut Garnier, an dem Philipp Reis, der Erfinder des Telefons, Mitte des vorigen Jahrhunderts Lehrer war. Es kamen bald mehr Kinder, als Internatsschlafplätze vorhanden waren, so dass die Bürger und Bauern in den umliegenden Dörfern sich durch die Zimmervermietung Geld verdienten. Auch die Seulberger. Es kamen aber auch viele Kinder im Konfirmandenalter und das war problematisch. In der Friedrichsdorfer französisch-reformierten Kirche wollten die evangelisch-lutherischen Eltern ihre Kinder nicht konfirmieren lasse. Deshalb wurden sie in die evangelisch lutherische Kirche nach Seulberg geschickt. Die damalige Dorfkirche, die St. Martins Kapelle, reichte für die vielen Kinder nicht aus, so dass man sich 1861 entschloss, die ohnehin reparaturbedürftige Kapelle abzubrechen und eine neue Kirche zu bauen. Das geschah von 1862 bis 1864 mit Hilfe der landgräfischen Herrschaft. Entwurf und Ausführung lagen in den Händen des Homburger Baumeisters Heinrich Christian Holler, der zur gleichen Zeit auch die Bad Homburger Synagoge errichtete. Die Seulberger Kirche wurde aus in Seulberg hergestellten Feldbrand-Ziegelsteinen sowie roten und gelben Sandsteingewänden und -mauerwerk erbaut. Die Kirche ist im neugotischen Stil errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Das Kirchenschiff ist 16 Meter breit und 20 Meter lang. Neben dem Altarraum oben an der Wand gibt das das Relief mit dem Engel, der eine Urkunde trägt Auskunft über das Baujahr. Das Relief an der anderen Seite zeigt das Wappen der Homburger Herrschaft. Das byzantisch- romanische Kreuz im Chorraum ist die Stiftung einer Seulberger Familie aus dem Jahr 1922. Die Kirche hat etwa 500 Sitzplätze. Der Kirchturm, mit seinem goldenen Wetterhahn ca. 50 Meter hoch, ist ein Trigonometrischer Punkt des Landesvermessungsamtes. Von dem Turm läuten drei Glocken zu den Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen. Die 600 Kilo schwere gis'-Glocke, aus dem Jahr 1695, stammt aus der alten St. Martins Kapelle. Sie trägt die Inschrift: "Des Gerechten Gebt vermag viel, wenn es ernstlich gemeint ist" und "Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat". Es ist die sogenannte Betglocke. 1951 wurden zwei neue Glocken zu der vorhandenen angeschafft. Die Gemeindekasse steuerte zu diesem Zweck DM 5000,-- bei. Der restliche Betrag wurde durch Spenden der Bürger aufgebracht, wofür eigens ein "Glockenbeschaffungsverein" bestand. Die h'- Glocke, 260 Kilo, trägt die Inschrift: "Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis". Die e'- Glocke, 940 Kilo, als Ersatz für die im Krieg abhanden gekommene, trägt die Inschrift: "Nach Krieg und Leid und harter Zeit ruf ich erneut zur Seligkeit. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit". Am Sonntag Laetare 1952 wurden diese Glocken feierlich in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen. Die Orgel wurde
1865 von der Firma Ratzmann in Gelnhausen gebaut. 1987 wurde sie von der
Firma Förster und Nikolaus aus Lich grundlegend restauriert. Über die
Geschichte der Orgel gibt die kleine Schrift "Die Ratzmann- Orgel
in der evangelischen Kirche Seulberg 1865- 1987" Auskunft. Im Jahre
1966 wurde die Kirche von innen renoviert und die damalige Ofenheizung
durch den Einbau einer zentralen Warmluftheizung ersetzt. |
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